Bishkek - Kathmandu...

Einmal mehr ein langer Blog - ganz ohne Fotos...

Habe mich ja auch lange nicht mehr gemeldet... Die Fahrt von Osh nach Bishkek war unter dem Strich anspruchsvoller, mühsamer, kälter und kräfteraubender als erwartet - aber es ging alles gut und das ist gut so...

 

16. September 2015 – Auf geht’s...!

Zusammen mit Emil starte ich nach einigen Ruhetagen in Osh nun in Richtung Bishkek. Es fiel mir/uns schwer, uns im TES Guesthouse zu verabschieden – war Osh und das TES doch nach dem Pamir so ein richtiges kleines Paradies, wo es alles gab, was man so braucht: Küche, Klo, Dusche, Waschmaschine, Betten, Einkaufs-möglichkeiten und eine grosse Auswahl an Waren (fast wie daheim...) und ganz viele andere Veloreisende – und es war herrlich angenehm warm tagsüber...

Hier in Osh habe ich auch Karin und Fritz wieder getroffen, mit denen ich schon im Iran schöne Tage verbracht habe. Karin und Fritz kommen denn auch ins TES Guesthouse, um Emil und mich zu verabschieden. Emil weiss noch nicht, ob er wie ich die M41 nach Bishkek fahren will oder eine Route zum Isik Kul See in Richtung Almaty in Kasachstan nehmen soll. Er hat noch einige Tage Zeit, sich mit dieser Frage zu beschäftigen – er fliegt dann ab Almaty nach Südostasien – ich ab Bishkek nach Nepal... Emil wird sich im Verlauf der Fahrt nach Bishkek entscheiden, ebenfalls die M41 zu fahren...

Emil und ich sind dann um die Mittagszeit bereit, mit unseren schwer beladenen Velos in Richtung Bishkek zu starten. Die Stadt Osh verlassen wir nicht auf dem direkten Weg, wie wir bei der Mittagspause, die wir bereits ca. 20 Minuten nach Abfahrt einlegen, bemerken – aber auch ein Umweg ist ein Weg...

Die Strasse führt uns aus Osh hinaus – der Verkehr ist zum Teil grenzwertig mühsam bis hin und wieder auch etwas gefährlich. Sind die Krigisen so schlechte Autofahrer oder kommt das uns nur so vor, weil auf dem Pamir kaum Verkehr herrschte???

Ich werde herausfinden, dass die Krigisen in meinen Augen wirklich schlechte Autofahrer sind! Wohl die schlechtesten auf der ganzen bisherigen Reise... Wozu ein Auto Aussenspiegel hat, scheint eines der bestgehüteten Geheimnisse Kirgistans zu sein. Das Geheimnis um Blinker wurde hingegen schon etwas gelüftet, so dass immer mal wieder ein Kirgise blinkt, wenn er abbiegen will. Was dem Kirgisen vor die Kühlerhaube kommt wird zuerst einem ausgiebig „behubt“ bzw. versucht der Kirgise alles „wegzuhupen“ was sich erdreistet, vor seiner Kühlerhaube zu erscheinen. Lässt sich das Hindernis nicht weghuben, dann wird es überholt – und das unabhängig davon, ob Gegenverkehr herrscht oder nicht. Absolut unbeeindruckt scheint der Krigise von Velos im Gegenverkehr zu sein – die sind ja schmal und wendig und können ausweichen, wenn sie sich bedroht fühlen – ich weiche immer mal wieder aus.... Der Verkehr nervt über Distanzen immer mal wieder...

Emil und ich finden einen schönen Zeltplatz mit Seeblick in einer weiten Ebene. Mehr dazu auch hier...

 

17. September 2015 – Passpartu macht schlapp...

Wir starten problemlos – auch wenn etwas spät und müssen gleich nach dem Frühstück eine 12% Steigung knacken. Geht soweit ganz gut, habe ich doch ein kräftiges Frühstück genossen: Haferflocken mit Kondensmilch an heissem Wasser, welches ich mir mit Freude auf meinem Benzinkocher gekocht habe. Langsam aber sicher habe ich Freude an diesem Teil... UND: Ich hatte meine drei 3in1 Instantcafés – das ist ein Pulver, in welchem Kaffe, Zucker und Milchpulver enthalten ist – habe mich sehr daran gewöhnt – um nicht zugeben zu müssen, dass ich schon sehr darauf abfahre, auf dieses Pulver...!!

Wir fahren durch schöne Landschaften und gewöhnen uns immer mehr an den kirgisichen Fahrstil... Dann bricht der Gepäckträger – Rest siehe hier... (gleicher Link wie oben!)

 

18. September 2015 – Ein harmloser Tag...

Im Guesthouse bekommen wir Frühstück, nachdem wir versichern, dieses auch sep. zu bezahlen. Es gibt Spiegeleier mit gebratener Wurst und Brot und Tee. Ich verabschiede mich von meinen Teebeuteln, welche ich seit dem Pamir (Kara Kol) transportiere und nie brauchte – ich frage die Gastgeberin, ob sie diese brauchen könne. Sie freut sich sehr und so komme ich noch zu einer völlig unerwarteten aber sehr herzhaften Umarmung...

Wunderbar gestärkt starten wir in den Tag und kommen soweit so gut voran. Unterwegs trinken wir noch Tee/Kaffee in einem Restaurant und werden von der äusserst schrulligen Wirtin völlig unerwartet eingeladen. Einzig müssen wir einen Prospekt für Kaffee- und Teeprodukte mitnehmen und versprechen, die Website zu besuchen.

Am Abend zelten wir hinter kleinen Hügeln/Aufschüttungen zwischen Hauptstrasse und Friedhof – unsichtbar von der Strasse her, die wir aber die ganze Nacht über sehr gut hören. Auch nachts gibt es viel Verkehr auf der M41...

 

19. September 2015 – Übernachten in der Tropfsteinhöhle...

Das wäre nun wirklich nicht nötig: Es regnet. Nur leise und sanft – aber es regnet und das Zelt ist nass. Das mag ich so gar nicht. Dennoch krieche ich aus dem Zelt und koche heisses Wasser, damit ich mir mein Haferflockenkondensmilchfrühstück und 3in1 Kaffe basteln kann – ohne 3in1 Kaffe in den Tag zu starten ist mittlerweile nicht mehr vorstellbar...

Der Regen lässt nach und wir können unsere Zelte fast trocken einpacken. Wir rollen los, kommen langsam voran – ich komme so gar nicht in Fahrt. Bei einem Restaurant trinken wir einen Tee, essen etwas Brot und starten dann wieder – da sehen wir hinter uns zwei Velofahrer. Wir warten ab – es sind Karin und Fritz. Wir fahren fortan gemeinsam weiter – eine 4er Gruppe...

Der Regen kommt zurück. Nass und von Kälte getrieben passieren wir die ersten Tunnels auf der Strecke und mühsame Steigungen im Regenzeugs, essen unterwegs ein spätes Mittagessen und treffen dann in Kara Köl ein, wo es Hotels geben sollte, auf die wir uns sehr freuen. Das erste ist unattraktiv und teuer – wir suchen weiter – realisieren, dass es kaum etwas anderes gibt, bis uns Einwohner erklären, es gäbe da noch eine „Unterkunft“. Ja also – gut so! Diese Gaststätte – na ja – was soll ich sagen: Zu Beginn meiner Reise wäre ich hier niemals abgestiegen. Aber nun, wo es draussen kalt und nass ist, kann ich ja nicht so zickig tun. NUR – in dieser Gaststätte ist es auch kalt – im Fensterrahmen sind meist nur noch Scherben hinter den liebevoll drapierten Vorhängen zu erkennen. Emil und ich lassen uns mal in einem 2er Zimmer nieder, während Karin und Fritz ein 4er Zimmer belegen. Wir können uns im „Badezimmer“ waschen, nachdem dort die Waschmaschine entleert (das Wasser darin war TIEFSCHWARZ!!!) und verschoben wurde und mit dem einzigen Tauchsieder der Haushaltung das Wasser erwärmt wurde. Hat man den Tauchsieder eingesteckt, wurde das Licht grad einige Stufen dunkler – aber die Sicherung hielt der Belastung stand... Doch das Wasser wurde warm und wir hatten so – einer nach dem andern – Geduld ist gefragt... - Gelegenheit uns zu waschen. Froh zu sein Bedarf es wenig. Der Tauchsieder wurde dann zwischendurch auch in der Küche eingesetzt, um uns Teewasser zu wärmen. Später treffen zwei Radfahrer aus Holland ein – pudelnass. Auch sie sind froh, hier nächtigen zu können. Karin und Fritz machen den Vorschlag, die Zimmer zu tauschen. So ziehen sie ins 2er Zimmer und im 4er Zimmer entsteht ein Männerzimmer. Denn: Im Zimmer, welches die Holländer hätten beziehen sollen, war alles nass, weil das Flachdach dort so richtig undicht war. Es war nicht daran zu denken, in diesem Zimmer übernachten zu können - .... Im Verlauf der Nacht wird sich dann zeigen, dass das eine sehr gute Entscheidung war für die Bewohner des Männerzimmers, denn: Im Zimmer von Karin und Fritz war die Decke/das Flachdach auch undicht – Karin wurde im Bett geduscht – sie lag exakt in dem Bett, welches ich ursprünglich mal für mich ausgesucht hatte... Das Männerzimmer war das einzig dichte Zimmer...

Die Frauen, welche diese Unterkunft betreiben sind sehr gepflegt gekleidet und frisiert – sie geben sich wirklich Mühe mit der Unterkunft. Die Vorhänge sind sorgfältig ausgesucht – OK nicht mein Geschmack... – und alles ist auch sauber, soweit es in diesem alten Gebäude eben sauber gehalten werden kann. Wir können uns mit ihnen leider nur sehr oberflächlich unterhalten – die Sprachbarriere ist einmal mehr sehr hoch... Die drei Frauen hätten eine bessere Gaststätte verdient, die sie betreiben könnten...

Am Abend machen wir uns dann noch auf, ein Restaurant zu finden. Das gestaltet sich schwierig. Nach einem längeren Fussmarsch entlang der dunklen Hauptstrasse landen wir schliesslich in einem Restaurant – da findet aber eine riesige Hochzeit statt und für Touristen ist da nun wirklich nicht auch noch Platz. Mist! Doch eine Frau in langer Abendrobe kümmert sich dann um uns, gestikuliert, telefoniert, organisiert und SCHWUPS sind wir in zwei Autos von Hochzeitsgästen gepackt, die uns zu einem anderen Restaurant in der Gegenrichtung fahren – doch auch da findet eine Hochzeit statt. Was nun? Unser Fahrer telefoniert und kurze Zeit später sind wir in einem Restaurant, wo es ganz leer ist und wir die einzigen Gäste sind. Karin und Fritz kommen mit einem sep. Auto an – die beiden Fahrer haben sich koordiniert. Gut so. Unser Fahrer hinterlässt uns noch seine Handynummer. Wir sollten ihn anrufen, wenn es Probleme geben sollte. He, da springen die Locals hier von einer Hochzeit weg, um dusslige Touris in Restaurants zu fahren und hinterlassen noch die Handynummer, damit man sie nochmals stören könnte, im Fall... Wo gibt es denn so was? In Kirgistan! Für den Rückweg – es regnet inzwischen recht stark...!! – nehmen wir uns ein Taxi. Doch wir kennen die Adresse unserer Unterkunft nicht. Da fällt mir ein, dass Emil diese doch Fotografiert hat mit seinem Handy – also zeigt Emil die Handyfotos und dem Fahrer ist sofort klar, wo wir hausen: In der Tropfsteinhöhle eben... Alles klar. Der Rückwärtsgang wird eingelegt, einmal auf’s Gaspedal gedrückt und schon landen wir im ersten Baum hinter uns. BINGO! Dumm gelaufen – aber kein Grund zur Aufregung. Der Fahrer wendet das Fahrzeug und wir düsen ab und kommen in unserer Unterkunft sicher an...

 

20. September 2015 – Checkout-Time 1962

Es regnet am Morgen noch immer. Das erkennen wir sehr gut, da die Fenster in unserem Zimmer ja keine Fenster mehr sind – sondern nur noch ein Fensterrahmen mit Glasscherben drin hinter Vorhängen...

Wir fragen uns, wie lange wir heute wohl hier bleiben können, ob es in dieser Herberge - wie in richtigen Hotels - auch eine Checkout-Time gibt. Da meint einer der Holländer, dass die Checkout-Time hier wohl bereits 1962 abgelaufen sei  - schallendes Gelächter im Männerzimmer. Fritz schaut bei uns rein und meint, Karin und er würden an diesem Morgen nicht losfahren – keine Lust, nochmals einen Tag im Regen zu verbringen...!! Ich auch nicht – somit nochmals kurz dösen, dann aufstehen und im Dorf Frühstück einkaufen. Der Tauchsieder wärmt in der Zwischenzeit das Kaffee- und Teewasser...

Nach dem Frühstück wird es unerwartet sonnig. Also nix wie los, packen und ab auf die Räder. Heute schaffen wir es noch bis zum Stausee vor Toktugol. Unterwegs wird Emil von Hunden attackiert – die beissen ihm Löcher in die Hintertaschen. Ich fahre einige Meter hinter Emil und kann dem Schauspiel zuschauen – es wirkt beängstigend und amüsant gleichermassen auf mich. Emil ärgert sich natürlich sehr über die Löcher in seinen teuren Ortliebtaschen. Er wird sie am nächsten Morgen reparieren und zwar mit so viel Leim, dass die nächsten beissenden Hunde daran kleben bleiben...!!

Wir erreichen Mitte Nachmittag am Stausee ein nettes Fischrestaurant mit wunderbarer Aussicht auf den See. Obwohl wir kaum Kilometer gemacht haben entscheiden wir uns hier zu fragen, ob wir übernachten könnten im Zelt im Garten – und noch etwas die Sonne geniessen können. Die Wirtin stimmt sofort zu. Wir werden die einzigen Gäste bleiben an diesem Abend, können unsere Zelte aufstellen und bekommen sehr leckeren Fisch serviert zum Abendessen - müssen gleich noch nachbestellen, so hungrig sind wir bzw. so gut ist der Fisch, frisch aus dem Stausee... Später trifft mit Anne noch eine weitere Radlerin auf uns, die in der Gegenrichtung unterwegs ist – reichlich spät, wenn sie noch über den Pamir will... Sie übernachtet ebenfalls hier – wir haben einen guten und lustigen Abend. Wir lernen auch noch Wahlbeobachter kennen, welche die Situation rund um die Wahlen in Krigistan beobachten, die am 04. Oktober 2015 stattfinden werden. Spannender Kurzaustausch!

Vor dem Nachtessen gehen Fritz und Emil im See noch baden – mir scheint der See zu kalt. Als ich sehe, wie ausführlich die beiden im See plantschen realisiere ich, dass der See so kalt gar nicht sein kann und mache mich auch auf den Weg – und habe den ganzen grossen Stausee dann für mich ganz alleine und geniesse es SEHR im warmen Bergsee bei diesem grandiosen Panorama so ganz für mich alleine mit ohne nichts zu baden – so was von erfrischend – so was von toll in diesem Panorama – HERRLICH! So genial dieses Bad in dieser Landschaft ist – so klein und unbedeutend komme ich mir dabei vor...

 

20. September 2015 – Max setzt mir einen Floh ins Ohr...

Vor dem Frühstück trifft ein weiterer Radler im Restaurant ein, der uns gesehen hat. Es ist Max - unterwegs in Krigistan, weil er kein Visum für Tajikistan bekommen hat. Anne hatte die gleichen Probleme. Wir hatten alle offenbar grosses Glück alle unsere Visa bekommen zu haben. Denn aktuell gibt es offenbar für Turkmenistan und Tajikistan keine Visa bzw. werden viele Radler abgewiesen. Warum weiss niemand, weil die Konsulate und Botschaften das ja nie erklären. Max setzt mir den Floh ins Ohr, dass ich doch von Kathmadu aus nach Thailand radeln soll – gehe doch einfach: Durch Indien durch und Burma queren - alles kein Problem, meint er... Ein faszinierender Gedanke – ich denke ernsthaft über eine Routenänderung nach, weil ich so nur einmal fliegen müsste (Bishkek – Kathmandu). Realisiere, dass ich die Weltkarte vor meinem inneren Auge grad so gar nicht nicht auf die Reihe kriege – ich muss mir Kartenmaterial beschaffen... Hoffe in Bishkek einen Laden zu finden...

Am Abend zelten wir hinter Toktogul auf einer gemähten Wiese. Das Bad im bitter kalten Bach ist ein wirklicher Kontrast zum warmen Stausee von gestern Abend!!

 

21. September 2015 – So ein Bezinkocher ist doch sehr praktisch...

Die Nacht war deutlich kälter als erwartet – das Zelt ist triefend nass – auch auf der Innenseite –– mühsam – nervend – auslaugend...!! Das sind Momente, in denen ich über den Sinn meiner Reise nachdenke und meine schöne Wohnung in Bern doch schon mal vermisse. Nun bin ich aber in Kirgistan im nassen Zelt und muss diese Situation aushalten, managen - ... Das schaffe ich auch problemlos. Ich staune immer wieder, wie „locker“ ich mit solchen Situationen umgehen kann. Situationen, die auszuhalten mir vor meiner Reise in meinem Umfeld wohl nur die wenigsten zugetraut haben – ich mir selber auch nicht wirklich. Aber wenn ich in einer Situation stecke, dann habe ich bisher immer eine Lösung gefunden. Und tragisch ist ein nasses Zelt nicht wirklich, auch wenn eine kalte Nacht nicht erholsam ist und ich müde in den Tag starten muss. Und ich sorge mich auch immer mal wieder, mein Daunenschlafsack könnte nass werden und dann seine Wärmewirkung verlieren – Probleme des Radreisenden...

Karins Verdauung hat sich etwas stark dynamisiert – sie wird heute langsamer radeln und wohl mehr Stopps als erwünscht einlegen müssen. Wir beschliessen daher, uns zu trennen, verabschieden uns von einander. Danke – waren verdammt schöne Tage mit Euch!!! Kurz nach dem Start muss Emil einen „Schleicher“ am Hinterrad flicken. Schleicher nennen Radfahrer kleine Löcher im Schlauch, durch welche die Luft langsam entweicht. Oft kann man die Reparatur von Schleichern hinauszögern, indem man den Pneu halt täglich (mehrfach) pumpt. Emils Schleicher hat aber ein Ausmass angenommen, welches nach Reparatur schreit. So heisst es eben: Am Strassenrand anhalten und Hinterrad reaprieren. Emil verzichtet auf meine technische Unterstützung mit der sinngemässen Bemerkung, er wolle ja mal fertig werden mit der Reparatur... Ja, der Schwabe und der Schweizer halten immer mal wieder einen treffenden Spruch bereit...

So koche ich mir am Strassenrand mal einen 3in1 Kaffee, während Emil schraubt. Da Emil keinen Kaffee trinkt, kann ich ihn nicht mal damit unterstützen...

Wir radeln weiter, dem ersten Pass entgegen. Die Landschaft wunderschön. Viele Bienenvölker haben ihre Stöcke am Strassenrand. Emil kauft ein Glas Honig und der Honigbauer offeriert uns sogleich einen Krug Tee als er sieht, dass wir uns niederlassen, damit Emil sich eine richtig dicke Honigschnitte schmieren kann. Der Honig schmeckt übrigens sehr lecker!! Weiter geht die Fahrt dem ersten Pass entgegen. Heute bin ich gut in Fahrt – Emil für einmal etwas langsamer, kränkelt, leidet... Um die Mittagszeit erreichen wir ein Restaurant, in welchem ich unbedingt Suppe essen will  - und siehe da: Karin und Fritz haben hier auch Rast gemacht. Wir überholen sie dann auf der Strecke wieder, beschliessen dann aber an einem schönen Rastplatz direkt am Fluss (und an der Strasse..) zu stoppen, zu übernachten und den Rest des Passes am nächsten Tag erholt zu machen. Karin und Fritz halten später ebenfalls an diesem Rastplatz an und schon sind wir wieder eine 4er Gruppe...

Die Sonne scheint noch recht warm, als ich mein Zelt aufgestellt habe. Ich beschliesse, mir warmes Wasser zu kochen und mich am Fluss „richtig“ waschen zu gehen. So mache ich mich dann mit einer Pfanne heissen Wassers und meiner Faltschüssel auf ans Flussufer, suche mir ein sonniges Plätzchen und mische eiskaltes Bergbachwasser mit heissem Wasser aus der Pfanne in der Faltschüssel und komme so zu einem richtig luxuriösen „Bad“. Froh zu sein bedarf es wenig...

 

23. September 2015 – Ich Idiot!! Ich hatte ein so schönes Büro...!!

Heute knacken wir den Pass und lassen uns auf der anderen Seite vom Rückenwind gepusht durch das wunderbare schöne Hochtal schieben. Noch schnell eine Suppe essen im Restaurant am Strassenrand, die Benzinflasche des Kochers aus einer grossen Plastikflasche durch die Wirtin auffüllen lassen und weiter geht die Fahrt. Wir finden einen wunderbaren Zeltplatz in der weiten Ebene dieses Hochtals. Die Yurten sind meist schon abgebaut – einige werden grad noch abgebaut. Wir sehen Yurten, wo grosse Trucks stehen, welche das Umzugsgut abholen...

Der Wind bläst durch das Hochtal – es wird einmal mehr eine kalte, mühsame, lange Nacht, in der ich den Schlaf nur dürftig finde – und am Morgen nicht wirklich erholt aufstehe...

Am Morgen krabble ich frierend aus dem Zelt und begrüsse Karin mit den Worten: „Ich Idiot – ich hatte ein so schönes Büro, geheizt und trocken... – warum tu ich mir das hier an...??“ – um sofort beide Arme auszustrecken, die Landschaft zu umarmen und zu rufen: „Weil ich daheim diese wunderbare Landschaft nicht hatte, die mich einlädt, Teil von ihr zu sein und mir zu spüren gibt, dass ich hier nur zu Gast bin“. Ja, wir erleben hier über den Pamir zwischen kalten Nächten, gefrorenen Zeltreissverschlüssen etc. die Natur wirklich wunderbar – werden brutal auf uns zurückgeworfen und wissen, welch lecker Nachtessen Instantnudeln auch nach dem 10 Tag in Folge sind. Dankbarkeit überkommt mich in solchen Momenten immer wieder. Demut! Irgendwie spüre ich hier das Leben viel intensiver als daheim - tönt für Euch wohl esoterisch - ihr müsst es selber erleben...!

Später wird mir Fritz verraten, dass er nun auch bald genug habe von den kalten Nächten, den eingefrorenen Reissverschlüssen am Zelt etc. – und sich auf wärmere Gegenden freue – Karin und Fritz wollen nämlich nach Goa/Indien weiter und dann nach Nepal radeln - vielleicht kreuzen sich unsere Wege in Indien...?!

Wir rollen los und heute bin ich der, der Platten am Hinterrad hat. BRAVO!! Fritz leiht mir seine Pumpe und meint, ich könne ihm diese spätestens in Bishkek wieder zurückgeben. Karin und Fritz fahren weiter. Emil und ich machen Pannenpause. Ich baue das Hinterrad aus – Emil kocht Kaffee. Das Loch ist schnell gefunden. Einmal mehr hat sich so ein fieser, doofer kleiner Metalldraht durch den Pneu gebohrt. Eigentlich müsste ich mit tausenden von Franken belohnt werden, dass ich es schaffe, so kleine Drähte so zu überrollen, dass sie sich in den Pneu bohren können. Fast wie 6 Richtige im Lotto – nur umgekehrt halt... Oder eine Artistiknummer, mit der ich im Zirkus oder TV auftreten könnte... Natürlich habe ich gewisse Zeit länger, um meinen Platten zu flicken, als Emil vor einigen Tagen – doch ich schaffe es fast selber. Bin aber froh, dass Emil mir hilft, den Pneu wieder auf die Felge zu mechen – der sitzt nämlich verdammt satt...

Wir rollen weiter, kaufen im Shop ein, tanken an der Tankstelle Benzin für Emils Kocher und pumpen im nächsten Dorf genügend Luft in Passpartus Pneus... Dann kommt der zweite Pass, der uns auf über 3000 müM führen will. 1000 Höhenmeter auf 12 Kilometer. Das geht richtig bergauf  - und es zieht auch ein Gewitter auf. Genau so habe ich es mir nicht vorgestellt... Der Regen setzt genau dort ein, wo es auch Verkaufsstände für Käse gibt und wir können uns vor dem Regen in einem Bauwagen, der als Unterkunft für die Verkäufer dient, in Sicherheit bringen. Der Regen dauert nur gute 30 Minuten – und wir kämpfen uns anschliessend weiter den Berg hoch – im Wissen darum, dass uns dort der „böse Tunnel“ erwartet, von dem uns verschiedene Radfahrer berichtet und gewarnt haben... Es ist ein Krampf, den Pass hochzufahren – es ist kühl – das Gewitter droht weiter – und dann erreichen wir das Tunnelportal auf über 3000 Metern. Emil und ich ziehen alles an, was leuchtet und reflektiert, prüfen unsere Lichtanlage und dann geht’s ab in den bösen Tunnel. Wir schaffen es, vor den LKWs in unserer Fahrtrichtung durch den Tunnel. Die LKWs werden nämlich einspurig durch den Tunnel geführt – so haben wir diese nur im Gegenverkehr - weil die LKWs im Tunnel nicht kreuzen könnten. OK – der Tunnel war kein Zuckerschlecken – aber auch kein Drama – und doch waren wir sehr froh, das Licht am Ende des Tunnels zu sehen und gut durch die Röhre gekommen zu sein. Wir hatten das Glück, dass der Tunnel in unserer Fahrtrichtung nach einigen Metern bereits abwärts führte und wir also nicht bergauf fahren mussten. Aus der Gegenrichtung wäre der Tunnel anspruchsvoller zu fahren...

Auf der anderen Tunnelseite ist es merklich kühler. Es liegt ein Hauch von Schnee auf den Bergen. Ich ziehe so ziemlich alles an, was warm gibt für die Abfahrt. Eine geniale Abfahrt – STEIL, gute Strassen – man kann es ziehen lassen – kaum Verkehr – die LKWs überholen wir links – COOL!

Wir finden am Abend keinen Zeltplatz der uns passt und rollen immer weiter – bis es schliesslich eindunkelt. Da erreichen wir ein Restaurant, wo wir im Gebetszimmer übernachten dürfen. Wunderbar. Als Emil nur in Socken durch die Räume geht, bringt die Gastgeberin ihm sofort schicke Damenhausschuhe – es ist ihr sehr wichtig, dass Emil nicht ohne Schuhe gehen muss. Emil betrachtet die Damenschuhe skeptisch und entscheidet sich dann, doch lieber seine eigenen Schuhe anzuziehen...

Die andere Gastgeberin öffnet eine Seitentüre in unserem Zimmer – der Blick auf das Tal wird frei – und erklärt uns mit einer ausschweifenden Handbewegung: Toilette! Mit anderen Worten: Wenn Du mal musst, such Dir hier einen Platz aus – es reicht für alle... Doch das Restaurant hat auch eine richtige Toilette – also ein richtiges Häuschen etwas abseits, wo das Plumpsklo steht..

 

25. September 2015 – Papi meldet sich  zum Besuch in Bishkek an...

Dachten wir gestern Abend noch, wir würden heute dann früh losfahren, weil wir ja kein Zelt abbauen mussten, kommen wir heute so gar nicht in Schwung. Das für 0800 Uhr angesagte Frühstück wird erst gegen 0900 Uhr serviert – Emil und ich plaudern lange und so wird es halt gut 1100 Uhr, bis wir losfahren. Und ich muss noch meine Stirnlampe suchen. Sie ist verschwunden – aber ein wichtiges Teil meiner Ausrüstung. MIST! Emil packt sogar sein Zelt nochmals aus, welches er über Nacht im Zimmer hat trocknen lassen um sicher zu sein, dass die Lampe dort nicht eingewickelt ist. Schlussendlich finde ich die Lampe unter dem Fotoappartat – bereit in meine Lenkertasche gepackt zu werden... Typisch...!!

Es geht weiter bergab und wir sind mit einem Schnitt von gut 26 kmh unterwegs. Wir rasen Bishkek entgegen. Unterwegs erhalte ich eine SMS von Papi, dass er mich in Bishkek besuchen kommt und mir die Ersatzteile bringt, welche ich mir für Passpartu gewünscht und ihn gebeten habe, diese nach Kathmandu zu senden. Ich freue mich SEHR auf diesen Besuch!!!

Wir rasen weiterhin Bishkek entgegen – Emil voran – ich als alter Mann schnaufend hinterher. Da rennt plötzlich Karin aus einem Restaurant an den Strassenrand. Sie hat Emil vorbeiflitzen gesehen und wusste, dass ich nun auch mal noch angeradelt kommen sollte. Wiedersehensfreude! Schnell die Pumpe für Fritz aus meinem Gepäck graben – so kann ich sie ihm zurückgeben. Das war mir sehr wichtig!! Sie kommen auch ins AT House in Bishkek, müssen aber noch ihr Essen bezahlen etc. Ich radle weiter. Viel weiter vorne wartet Emil auf mich, glaubte mich schon verschollen... Wir werden von einer Gruppe Männer angesprochen. Zum Teil in Uniform mit Orden etc. Es stellt sich heraus, dass es Veteranen aus dem Afghanistankrieg sind, die sich offenbar zu einer Zusammenkunft getroffen haben. Sie sind gut drauf, die Jungs – wohl auch etwas angeheitert. Sie staunen darüber, dass wir aus Europa mit dem Fahrrad... Eine lustige Truppe – eine lustige Begegnung – mit tragischem Hintergrund. Schnell noch Fotos gemacht und schon heisst es auch hier Abschied nehmen von Menschen, die in kurzer Zeit sehr kameradschaftlich auf uns zugekommen sind.

Wir erreichen die Innenstadt von Bishkek. Ich ärgere mich hier mal wieder masslos über die kirgisischen Autofahrer. Sie touchieren mich beinahe – 1x auch wirklich – wenn sie mich sinnlos überholen. Sie haben entweder keine Ahnung, wie breit ihr Auto ist – oder ich bin einfach ein Hindernis, welches sich nicht weghupen lässt und daher überfahren muss... Verdammt – dem nächsten, der mir so nahe kommt, haue ich mit meinem linken Fuss eine Beule in die Türe!!! Das scheinen sie zu spüren und lassen etwas mehr Abstand. Wir finden das AT House dank Emils Handynavigation und ich bin froh, diesem blöden Stadtverkehr nicht mehr ausgeliefert zu sein. Gleichzeitig frage ich mich, ob es eine gute Idee ist, von Kathmandu aus nach Indien – allenfalls gar New Delhi - zu fahren, wo der Verkehr ja noch viel... Doch das hat noch Zeit...

Im AT House treffen wir Holger und Katharina wieder – fast eine Familie... Stellen unser Zelt auf und kurze Zeit später kommen Karin und Fritz auch an.

Wir werden sehr schöne Tage im AT House verbringen, wo wir einfach wohnen: Campen im Garten, 1 Badezimmer für die Hauseigentümer inkl. zwei Dauergäste und bis zu ca. 10 Velofahrer im Zelt – im Garten gibt’s noch das Plumpsklo, falls das Badezimmer besetzt sein sollte. Aber es funktioniert. Einzig vermisse ich in den kühlen Morgen- und Abendstunden einen warmen Aufenthalts-raum – wir müssen nämlich im Freien essen... Papi wird meine Wohnsituation später überraschend finden und als ärmlich bezeichnen – für mich zwischenzeitlich aber ganz normaler Standard.. Wir kochen im AT House mehrmals gemeinsam – oder gehen gemeinsam zum Abendessen in die Stadt. Papi bekommt aus der Runde noch weitere Bestellungen und bringt dann das Material mit nach Bishkek. Er wird in der Runde sehr gut aufgenommen. Die Runde freut sich natürlich auch sehr über die Toblerone und die Gummibärchen aus der Heimat, welche meine Schwester meinem Vater gleich Kiloweise mitgegeben hat. Die Cervelats und den Senf aus der Heimat geniesse ich in den nächsten Tagen zum Frühstück... Den Rest teilt Papi Euch dann in seinem „Gastblog“ mit...

 

25. September bis 04. Oktober 2015 – Bishkek – Istanbul – Kathmandu...

Zusammen mit Karin und Fritz haben Papi und ich ja einige Tage am Isk Kul verbracht – dem zweitgrössten Bergsee der Welt. Schön war’s!

Ich habe mit Hilfe des Gastgebers im AT House und Papis Support Passpartu eine neue Kassette hinten und neue Ritzel vorne montiert. He, ich habe richtig selber geschraubt, hatte dreckige Finger und war am Ende Stolz wie Anton, dass alles richtig funktionierte – abgesehen davon, dass ich die Kette nicht durch den Umwerfer gezogen hatte und mit Emils Hilfe dann diesen Fehler doch noch beheben konnte... Und Passpartu funktioniert perfekt – obwohl ich selber geschraubt habe. Unvorstellbar...

Dann musste ich Passpartu in Kartonkiste packen, damit er flugtauchlich wurde. Das war ein „Geknorze“ – er musste stärker zerlegt werden, als mir lieb war. In Kathmandu werde ich ihn dann wieder zusammenbauen müssen – habe jetzt schon Stress und Schweissausbrüche vor dieser technischen Herausforderung...

Am 04. Oktober werde ich zusammen mit einem anderen Gast im AT House abgeholt und zum Flughafen gefahren. Unser Taxifahrer ist ein Deutscher, der hier "gestrandet" ist und ein Reisebüro inkl. Taxi betreibt.

Ich bin gespannt, ob ich die Benzinflasche und den Kocher durch die Kontrollen bringe. Ich habe alles sorgfältig gewaschen, damit es nicht mehr nach Benzin riecht – doch der Benzingestank lässt sich nicht so einfach wegwaschen... Wie auch immer: Eine Tasche des anderen Gastes wird bei der ersten Kontrolle am Flughafen blockiert – es ist die Tasche mit der Benzinflasche - ich ahne Böses... Dreist nutze ich die Gunst der Stunde und schleiche mich von der Kontrolle mit meinem Gepäck weg, während das Gepäck meines Kollegen überprüft wird. Einchecken geht flott. Passpartu wird von einem Porter zusammen mit dem Velo des anderen Gastes abgeholt. Nachdem ich für Passpartus Flug 123 Dollar - in Cash! - bezahlt habe, bekomme ich auch meine Bordkarte. Der andere Gast bezahlt für den Flug seines Fahrrades nach Deutschland 101 Dollar – Passpartu fliegt sehr viel weiter und ist nur 20 Dollar teuer? Ja klar, erklärt die Dame am Schalter! Passpartu verlasse ja Asien nicht – das andere Fahrrad fliege nach Europa, das sei ein anderer Kontinent und daher teuer! Ist doch logisch – oder?! Wie auch immer.

Wir bitten die Dame, uns eine Quittung auszustellen, dass wir den Flug der Räder bis zur Enddestination bezahlt haben, damit wir in Istanbul beim Umsteigen nicht nochmals bezahlen müssen. Kein Problem. Sie tippt auf ihrem Laptop rum und kurze Zeit später ruft ihr ein Kollege vom oberen Stockwerk über eine Brüstung etwas zu und lässt die Quittungen vom oberen Stockwerk in Richtung Checkinschalter runter segeln, wo die Dame sie zwischen den wartenden Passagieren auf ihren Stöckelschuhen geübt einfangen geht. Luftpost am Flughafen – ist doch auch logisch. Wir lachen mit der Dame am Schalter, bedanken uns für die wirklich zuvorkommende und unkomplizierte Abfertigung und schwups geht es weiter durch Passkontrolle und in den Flieger.

In Istanbul habe ich sieben Stunden Aufenthalt. Da Papi auf meinem Flieger keinen Platz mehr gefunden hat, musste er einen Nachtflug von Bishkek nach Istanbul nehmen und ist nun bereits auf dem Weg nach Zürich. Ich fahre in die Stadt, zum Taksim Platz, wo ich am Anfang meiner Reise ja drei Wochen wohnte. Kam mir Istanbul damals so gross, fremd und „chaotisch“ vor, ist es bei diesem Besuch fast wie eine Heimkehr. Ich weiss genau, wohin ich will und kenne den Weg - ...

Dann zurück an den Flughafen und einige Stunden später Ankunft in Kathmandu. Ich erwache erst, als der Flieger landet - die Rückenlehne noch immer in Schlafposition - obwohl ich direkt neben der Flight Attendant beim Notausgang sitze - das erstaunt mich...

Vor den beiden Schaltern der Bank, bei der man die Visagebühren bezahlen muss, bilden sich sofort lange Schlagen. Es dauert ewig, bis ich an der Reihe bin und die Gebühren bezahlen kann und dann muss ich auch noch das Formular ein zweites Mal ausfüllen, weil die Maschine, an welcher ich das Visum elektronisch erfassen wollte, mir keine Bestätigung ausgedruckt hat, weil die Papierrolle leer war... Für 100 Dollar bekomme ich aber schlussendlich ganz einfach ein Visum für 90 Tage! So habe ich genügend Luft für meine Weiterplanung und kann in diesen 90 Tagen auch nach Nepal zurück, falls es mit Indien oder Burma nicht klappt...

Mein Gepäck rollt auf dem Band an – Passpartu kopfüber auf der Längsseite seines Paketes - schafft natürlich die erste Kurve des Bandes nicht. Aber die Nepali und die Touristen helfen ihm, stützen ihn und so kann ich ihn problemlos auf meinen Gepäckwagen laden. Die anderen Taschen kommen auch an und ich mache mich auf den Weg durch die Zollkontrolle. Dort wollen mir die Beamten meine „Tags“ für das Gepäck abnehmen – ich mache einen Aufstand, weil ich diese Tags behalten will, falls mit dem Gepäck etwas nicht i.O. ist. Der Beamte meint, ich solle das Gepäck hier und jetzt kontrollieren. Als ich ihm erkläre, dass ich Stunden bräuchte, um Passpartu zusammen zu bauen und zu kontrollieren wird es ihm zu bunt: Er knippst einen Tag mit seinem Handy und meint, ich solle nun gehen – was ich gerne und sofort tue – dawei dawei geht mir dabei durch den Kopf - un dich husche ab - mit allen Tags. Geht doch!

Draussen wartet mein Driver und mein Guide, welche mein Guesthouse mir geschickt haben, mit einem normalen PW – obwohl ich im Guesthouse ein grosses Taxi vorbestellt habe, in welchem man ein Fahrrad transportieren könne. Schnell stehen viele Träger rund um mich, Passpartu in der Kiste und dem Taxi. Aber es können noch so viele Männer mein Gepäck und das Taxi bestaunen: Mein Gepäck wird nicht weniger oder kleiner – das Taxi nicht grösser. Was nun?? Der Taxifahrer ist erstaunt, dass ich kein Befestigungsmaterial dabei habe, um Passpartu auf das Dach zu binden. Ich bin erstaunt, dass ER kein solches dabei hat. Ich bin sicher, die Nepali werden eine Lösung finden – es hat hier für mich alles einen Hauch von Indien und auf meiner Indienreise habe ich vor einigen Jahren ja die Erfahrung gemacht, dass in Indien für alle Situationen eine Lösung gefunden wird – nicht nach europäischem Denkmuster – aber eine Lösung, die funktioniert. Und so ist es dann auch in Kathmandu: Passpartu wird nach einigem Hin-und-Her, Vor-und-Zurück, Rau-und-Runter schlussendlich in den Innenraum des Taxis gezwängt. Der Fahrer hat nun kaum mehr Platz und keine Sicht nach links – der Guide und ich zwängen uns hinten auf einen gemeinsamen Sitz – ich muss Passpartu mit der linken Schulter stützen, damit der Fahrer während der Fahrt nicht erschlagen wird – das wäre nämlich ziemlich blöd und würde wohl auch eine komische Schlagzeile geben... Alles geht gut. Es herrscht in Kathmandu wenig Verkehr – und doch ist einiges los auf den Strassen. Das Benzin ist ja knapp, weil die Strassen von Indien her blockiert werden – und von China her nach dem Erdbeben noch nicht fertig geräumt sind. Es kommen somit wenig Güter und kein Benzin ins Land. Das Ganze hängt mir der neuen Verfassung zusammen, welche in Nepal in Kraft gesetzt wurde. Minderheiten im Grenzgebiet zu Indien fühlen sich dadurch benachteiligt und blockieren daher die Strasse. Es gibt aber auch Stimmen, dass Indien die Strasse blockieren lasse, weil die Verfassung neue Verfassung Nepals religiösen Kreisen in Indien nicht gefalle. Die Wahrheit werden wir wohl nie erfahren...

Mir gefällt Kathmandu auf Anhieb sehr gut – warum bin ich nicht schon in jüngeren Jahren hierher gekommen??? Weil ich damals dazu noch nicht bereit war!!! Ich fragte mich immer wieder, warum ich nicht früher, in jüngeren Jahren zu meiner Reise aufgebrochen bin. Diese Frage ist aber zwischenzeitlich so unwichtig. Wichtig ist, dass ich aufgebrochen bin und unterwegs bin – jetzt, wo ich dazu bereit bin, reif dafür bin! Auch wenn ich Anfang 20 wohl deutlich ringer aus dem Zelt gekrappelt wäre... Ich bewundere meinen Pamir- Reisepartner Emil, dass er diese Reise im Alter von 22 Jahren macht – er meinte, er bewundere mich, dass ich sie in meinem Alter mache – tja, so ist jeder auf seiner Route de soi...

Zwischenzeitlich habe ich mein Annapurnatrekking organisiert – am Freitag 09.10.015 geht’s los – ich freue mich tierisch. Ich habe einen Guide für mich alleine angeheuert und denke, ein faires Angebot gefunden zu haben.

So, nun fertig mit zutexten – ich gehe in die Stadt, Fotos schiessen!!

Herzlich aus Kathmandu – einer wundervollen Stadt – friedlich, chaotisch, exotisch-asiatisch-westlich, vom Duft der Räucherstäbchen, Gassenküchen, Restaurants erfüllt – WUNDERBAR bunt, reich abwechslungsreich  - so erscheint mir Kathmandu nach den sowjetisch angehauchten Städten Zentralasiens wirklich intensiv, bunt, paradiesisch! Und während ich auf dem Trekking bin, beschafft mir eine Visaagentur hier in Kathmandu das Visum für Indien und Burma. Ich bin offenbar zu DER Visalady für diese Länder geführt worden... Alles sei kein Problem, ich musste einzig einige Angaben machen, die Visagebühren bezahlen und 10 Dollar für die Dienstleistung der Lady. Den Rest erledigt sie – sie hätte beste Kontakte zu den Visabehörden dieser Länder – andere Visa mache sie nicht, sie wisse aber, wer die Kontakte habe... Tja, es ist eben immer gut, jemanden zu kennen, der weiss, dass es jemanden gibt, den man fragen muss um zu erfahren, wer zuständig sein könnte – fast wie im Verwaltungsapparat in der Schweiz... 

Am Anfang meiner Reise hätte ich dieser Lady wohl noch nicht so wirklich vertraut – aber nach sechs Monaten auf der Strasse und den Begegnungen mit diversen Agenten und Polizisten und Beamten und Reisenden und und und sagte mir mein Bauch: He, da bist Du goldrichtig! Dann noch Passfotos machen – die Inder wollen ein spezielles Format. Der Trekkingagent holt sie dann ab und bringt sie zur Visalady. Dann noch die Rucksackmiete organisiert. Ich kann mir für 0.8 Dollar/Tag einen Rucksack mieten für das Trekking. Das ist gut so. Ich habe schon Schuhe gekauft, welche ich mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht mit nach Indien nehmen werde...

So, nun lasse ich Euch aber in Ruhe – ich will nun wirklich in die Stadt...!

Herzlich in die Welt hinaus

Patrik Kirtap

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